Praxis · Anwendung

Einstellungen
verstehen.

Kurze Erklärungen und Tipps aus meinen Testreihen – durchgespielt mit der LUMIX G70 und dem Kit-Objektiv 14–42 mm. Die Werte unter jeder Karte passen genau zu dieser Ausrüstung.

Grundlage

Das Belichtungsdreieck

Drei Regler bestimmen die Helligkeit. Jeder bringt Licht – und jeder hat eine Nebenwirkung. Wer einen Regler verstellt, gleicht mit einem anderen aus.

Blende

f/8 → f/3.5 = mehr Licht

Nebenwirkung: weniger Schärfentiefe – der Hintergrund wird unscharf.

Verschlusszeit

1/500 s → 1/60 s = mehr Licht

Nebenwirkung: Bewegungs- und Verwacklungsunschärfe.

ISO

ISO 200 → ISO 1600 = mehr Licht

Nebenwirkung: mehr Bildrauschen, weniger Details in Lichtern und Schatten.

f/3.5f/5.6f/8f/11f/22

Je größer die Blendenzahl, desto kleiner die Öffnung. Jede ganze Blendenstufe (f/5.6 → f/8) halbiert das Licht – das gleichst du mit doppelter Belichtungszeit oder doppeltem ISO aus.

01BELICHTUNG

Blende

Die Blende ist die Öffnung im Objektiv. Kleine Blendenzahl (f/3.5) heißt große Öffnung: mehr Licht, wenig Schärfentiefe, weicher Hintergrund. Große Blendenzahl (f/11) heißt kleine Öffnung: weniger Licht, mehr Bereich scharf.

TIPP

Am schärfsten zeichnet das Kit-Objektiv zwischen f/4 und f/6. Ab etwa f/11 macht Beugung das Bild wieder weicher – f/22 nur, wenn du wirklich maximale Schärfentiefe brauchst.

G70 · f/3.5 (14 mm) – f/5.6 (42 mm) · kleinste Blende f/22
02OBJEKTIV

Brennweite

Die Brennweite bestimmt den Bildwinkel. Weitwinkel zeigt viel Umgebung und betont Nähe und Tiefe. Tele holt heran und lässt den Hintergrund scheinbar näher an das Motiv rücken.

TIPP

Denk in Kleinbild: Am Micro-Four-Thirds-Sensor der G70 wirken 14–42 mm wie 28–84 mm. 25 mm entspricht ungefähr dem klassischen 50-mm-Normalobjektiv – ideal zum Üben.

G70 · Markierungen 14 · 18 · 25 · 35 · 42 mm (KB 28–84 mm)
03OBJEKTIV

Zoom

Wer stehen bleibt und zoomt, schneidet nur enger zu. Die Perspektive ändert sich erst, wenn du dich bewegst: nah ran mit 14 mm oder weit weg mit 42 mm ergibt bei gleichem Motiv zwei völlig verschiedene Bilder.

TIPP

Beim Heranzoomen wird die größte Öffnung kleiner. Erst Standpunkt und Brennweite wählen, dann Zeit oder ISO für die Belichtung nachziehen.

G70 · 14 → 42 mm · Offenblende f/3.5 → f/5.6
04BELICHTUNG

ISO

ISO verstärkt das Signal des Sensors. Höhere Werte machen das Bild heller, bringen aber sichtbares Rauschen und weniger Zeichnung in hellen und dunklen Bereichen.

TIPP

So oft wie möglich bei ISO 200 bleiben. Auto-ISO ist praktisch, wenn das Licht schnell wechselt – die Automatik der G70 geht höchstens bis ISO 3200.

G70 · ISO 200–25600 · erweitert ab 100 · Auto-ISO bis 3200
05BELICHTUNG

Verschlusszeit

Die Verschlusszeit entscheidet über Bewegung: Kurze Zeiten frieren ein, lange Zeiten lassen verwischen – schön für fließendes Wasser, Lichtspuren oder Mitzieher.

TIPP

Aus der Hand gilt als Faustregel 1/(2 × Brennweite), bei 42 mm also etwa 1/100 s. Der Bildstabilisator gibt Reserven, stoppt aber keine Motivbewegung. Bei bewegten Motiven den mechanischen Verschluss nutzen.

G70 · mechanisch 60 s – 1/4000 s · elektronisch 1 s – 1/16000 s
06FARBE

Weißabgleich

Der Weißabgleich legt fest, was als neutral gilt. Stellst du einen niedrigen Kelvinwert ein, wird das Bild kühler; ein hoher Wert macht es wärmer.

TIPP

Für Serien den Weißabgleich fest einstellen statt AWB – sonst schwanken die Farben von Bild zu Bild. In RAW hast du später in der Bearbeitung volle Freiheit.

G70 · AWB · Tageslicht · Bewölkt · Schatten · Glühlampe · Blitz · 2500–10000 K
07GESTALTUNG

Komposition

Gute Bilder führen den Blick. Drittelregel, führende Linien, ein klarer Vordergrund und bewusst freie Fläche geben dem Bild Struktur und Ruhe.

TIPP

Vor dem Auslösen einmal die Ränder abfahren: Was ragt ins Bild, was wird angeschnitten? Horizont gerade halten und im Zweifel einen Schritt näher gehen.

Übung · eine Woche nur mit 25 mm fotografieren
08GENRE

Landschaft

Viel Schärfentiefe, eine ruhige Kamera und gutes Licht. Die Zeit kurz nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang gibt weiches, warmes Seitenlicht.

TIPP

14–18 mm, f/5.6 bis f/8, ISO 200 und ein Stativ. Hol etwas Interessantes in den Vordergrund – das gibt Tiefe. Ein Polfilter macht den Himmel satter und nimmt Spiegelungen.

G70 · 14 mm · f/8 · ISO 200 · AFS · Filtergewinde 46 mm
09GENRE

Portrait

Ein ruhiger Hintergrund lenkt den Blick aufs Gesicht. Das schaffst du mit langer Brennweite, offener Blende und möglichst viel Abstand zwischen Person und Hintergrund.

TIPP

42 mm bei f/5.6, nah an die Person, Hintergrund weit weg. Scharfstellen auf das vordere Auge. Weiches Licht – Schatten, Wolken, ein Fenster – schmeichelt mehr als pralle Sonne.

G70 · 42 mm (KB 84 mm) · f/5.6 · 1/250 s · AFS
10GENRE

Nahaufnahme

Das Kit-Objektiv ist kein Makro, kommt aber erstaunlich nah heran. Blätter, Texturen oder Produkte funktionieren gut, wenn du den kürzesten Abstand ausnutzt.

TIPP

Bei 42 mm und 0,3 m Abstand zum Sensor bekommst du den größten Abbildungsmaßstab. Die Schärfentiefe ist dann sehr knapp – lieber f/5.6 bis f/8 und manuell feinfokussieren.

G70 · Naheinstellgrenze 0,2 m (14 mm) / 0,3 m (42 mm) · max. 0,17x · MF
Spickzettel

Startwerte nach Situation

Ausgangspunkte, keine Gesetze. Von hier aus mit der Belichtungskorrektur und einem Blick aufs Histogramm feinjustieren.

SITUATIONBRENNWEITEBLENDEZEITISOFOKUS
Landschaft14–18 mmf/5.6–f/81/125 s oder Stativ200AFS
Portrait42 mmf/5.61/250 s200–800AFS
Street18–25 mmf/5.61/500 sAuto (≤ 3200)AFF
Sport & Bewegung35–42 mmf/5.61/1000 sAuto (≤ 3200)AFC
Mitzieher25–42 mmf/81/30 s200AFC
Nacht mit Stativ14 mmf/5.62–30 s200MF
Nahaufnahme42 mmf/5.6–f/81/250 s200–800MF

Theorie ist gut.
Testreihen sind besser.

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